Veranstaltungsempfehlung // Ringvorlesung ‚Zeigen‘ Universität Hamburg

Über die Dimension des Zeigens als präsenzbasierte visuelle Praxis ist in den letzten Jahren viel geschrieben worden. Die wissenschaftliche und philosophische Auseinandersetzung mit bildlichen Darstellungsformen markiert gegenwärtig eine »Ausweitung der Perspektive« auf andere als sprachliche Sinnerzeugungsweisen (vgl. Beck / Göppelsröder 2014, 10). Gleichwohl gibt es Modi des Zeigens auch innerhalb sprachlicher Kontexte, von deiktischen Verweisungen bis hin zur Ausstellung der Schrift.
Neben den medial tradierten und präfigurierten Modi des Zeigens werden in Lehre und Forschung auch diverse Praktiken des Zeigens kultiviert. Wann werden sie wirksam? Wie hängen Zeigen und Lehren / Vermittlung zusammen? Wie sind die Relationen von Sagen und Zeigen zu denken? Inwiefern grundiert das Zeigen soziale Verständigungsprozesse? Welchen Erkenntnisanspruch hat das Zeigen im Rahmen des Ästhetischen (vgl. Mersch 2015)? Welche medien- und kunstpädagogischen Konzeptionen setzen sich mit dem Zeigen auseinander?

Koordination: Prof. Dr. Andrea Sabisch, Stefanie Johns, Ole Wollberg
Ort: Von-Melle-Park 8, R404
Zeit: Di 16-18h

12.04.2016
Prof. Dr. Sabisch, Stefanie Johns, Ole Wollberg (Universität Hamburg)
Dimensionen des Zeigens
In diesem Einführungsvortrag wird eine begriffliche Grundlage für das Zeigen im Kontext der Kunstpädagogik geschaffen. Ausgehend von visuellen Beispielen werden verschiedene Perspektiven, Aspekte und Dimensionen des Zeigens und ihre theoretische Einbettung vorgestellt, um den Rahmen des Forschungsfeldes zu konturieren.

19.04.2016
Prof. Dr. Torsten Meyer (Universität zu Köln)
Anderes Zeigen. Der Curatorial Turn in der Kunstpädagogik
Kunstlehrer*innen nach dem Curatorial Turn stelle ich mir vor als Inszenierer*innen von Kunst als Lernumgebung. Ihre Methode ist die Kuration: die Pflege des Diskurses als Sorge um die Diskussion. Sie versammeln die Aufmerksamkeit ihrer Schüler*innen um das kuratorische Projekt herum. Und sie zeigen dabei – vor dem Hintergrund der aktuellen künstlerischen Aktivitäten auf dem Planeten –, wie Alternativen sichtbar, Äquivalente denkbar und Anschlüsse machbar werden.

03.05.2016
Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini (Berlin)
Beim Zeigen zeigt sich die Lehrperson mit
Beim Zeigen zeigt sich immer auch etwas anderes. Diese Erratik (Zerstreuung und Irrtum) ist nicht zu bremsen und kann zu reflexiven Schlaufen führen, die erstarren lassen können.
Natürlich kann eine Lehrperson sich auch verstecken. Aber auch das zeigt (sich). Beim Zeigen zeigen Lehrende etwas von sich und setzen sich den Blicken aus. Sie zeigen, was sie zeigen (wollen) und vieles wird dabei gesehen. Vieles entgleitet der Kontrolle. Auch darin liegt zeigende Wirksamkeit. Gezeigt werden soll das an Bildbeispielen und Ausschnitten aus Filmen mit Lehrer*innen.

31.05.2016
Prof. Dr. Sara Burkhardt (Burg Giebichtenstein Kunsthochschule Halle)
Wahrnehmungen (um)lenken – Welt (be)greifen – Wissen (re)generieren
Wenn in kunstpädagogischen Prozessen etwas gezeigt wird, spielt das zeigende Subjekt, das jeweils zu zeigende Objekt wie auch zu differenzierende Modi des Zeigens eine Rolle. Im Vortrag soll anhand von beispielhaften Praktiken des Zeigens entwickelt werden, wie das Zeigen zur Grundlage kommunikativer Prozesse werden kann, um Bildung zu ermöglichen. Dabei werden gerade solche Praktiken in den Fokus gerückt, die gewohnte Wahrnehmungen medial in Frage stellen, die Material erfahrbar machen oder unterschiedliche Wissensformen generieren.

14.06.2016
Prof. Lena Ziese (HfBK Hamburg)
Show and tell
In diesem Vortrag geht es um das Zeigen im Kontext von Ausstellungen. Im weitesten Sinne wird es darum gehen, wie verschiedene Formen der Displaygestaltung Blicke lenken, Inhalte vor-führen und somit immer mit bestimmten Zeige-Politiken verbunden sind.

21.06.2016
Gila Kolb (Universität zu Köln)
Zeichnen zeigen
Seit es Kunstunterricht gibt, ist dessen Bestandteil das Zeichnen. Auch wenn aktuell um andere Inhalte, die zum Gegenstand des Kunstunterrichts werden können oder sollen, verhandelt wird: Zeichnen von Gegenständen wird allen, die zur Schule gehen, gezeigt. An diesem Zeichnen zeigt sich auch etwas: Wie wir die Dinge sehen oder auch, was »gute Zeichnung« sei, zum Beispiel. Und dann gibt es ja noch Schüler*innen im Kunstunterricht, die, während sie zeichnen, anderen etwas zeigen.
Der Vortrag wird, entlang an einem Beispiel aus einer qualitativ- empirischen Untersuchung, verschiedene Aspekte des Zeichnens im Kunstunterricht aufzeigen – und die Problematik, innerhalb von Videografien »andere Portraits« (Nancy 2015) herzustellen, thematisieren.